Schwerstarbeit mit leichten Bällen
25.11.15 (erschienen im Hamburger Abendblatt, Autor: Norbert Scheid)                                                                                                                                      © Hamburger Abendblatt 2019 – Alle Rechte vorbehalten.

Schwerstarbeit mit leichten Bällen

Markus Harnisch (l.) und Karen Neumann (SG Buxtehude/Immenbeck) machten es unnötig spannend

 

 

 

Foto: Katrin Beyer

Die SG Buxtehude/Immenbeck und SG Maschen/Lüneburg spielen in der 5. Liga fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Buxtehude/Maschen.  Nein, auf fremde Besucher sind Badmintonspieler nicht eingestellt. Höchstens auf ein paar Verwandte und Freunde. Selbst bei Punktspielen in der Niedersachsen-Bremen-Liga nicht. Dabei ist das die gemeinsame höchste Spielklasse beider Landesverbände. „Darüber gibt es noch die Ober- und die Regionalliga, dann die 2. und die 1. Bundesliga“, klärt Markus Harnisch auf. Er ist Kapitän der SG Buxtehude/Immenbeck. Und damit Gastgeber für diesen Spieltag.

Das Geschehen in der Sporthalle der Halepaghenschule ist schwer zu durchschauen. Sechs Teams sind in Buxtehude im Einsatz. Jede Mannschaft bestreitet zwei Punktspiele. „Gerade wird der letzte Spieltag der Hinrunde ausgetragen“, erläutert der Buxtehuder Mannschaftsführer. „Danach tragen wir noch die ersten Spiele der Rückrunde aus.“ Auf den Spielfeldern knallen die Schläge bei harten Schmetterbällen, zischen die Halbkugeln mit den Federn durch die Luft. „Wir kämpfen gerade gegen Hannover 96 und nebenan die SG Maschen/Lüneburg gegen die erste Mannschaft vom TV Metjendorf. Das ist ein Ort bei Oldenburg“, bringt Markus Harnisch etwas Ordnung in das Geschehen. Er wird von Applaus unterbrochen. „Tanja Held hat gerade für uns ihr Einzel gewonnen“, sagt er, „und zwar souverän mit 21:15 und 21:11 gegen Hannovers Beatrice-Arianne Kühn.“

Von dem Spielfeld daneben kommt ein enttäuschtes „Verdammt“. Oliver Jakob, Buxtehudes Nummer eins, hat seinen Stoppball ins eigene Netz geschaufelt. Der blonde Mann, der Erfahrungen aus der Bundesliga mitbringt, ist hoch aufgeschossen und sein Schlag mächtig. Krischan Arend, sein Gegner, ist kleiner, aber listig. Die beiden befinden sich im entscheidenden dritten Satz. Den ersten hatte Oliver Jakob mit 11:21 aus der Hand gegeben, sich dann aber mit 21:15 ins Match zurückgekämpft. Noch liegt er im entscheidenden dritten Satz mit 17 Punkten vorne. Sein Gegner aber treibt ihn nach rechts, nach links und wieder zurück. Und dann, ein Halfsmash, ein kurzer, harter Schlag, steil nach unten. Oliver Jakob stürzt nach vorne und kommt doch zu spät.

Badminton kann hart und trickreich sein, gilt in Asien als Kampfsport

Wer sich auf ein Spiel konzentriert, durchschaut auch als Laie, wie raffiniert hier gekämpft wird, wie sich die Gegner im Schlagabtausch belauern, die kleinste Schwäche des Anderen ausnutzen, ihn täuschen und überrumpeln. Badminton, das Spiel mit dem leichten Federball kann so hart und trickreich sein. Nicht ohne Grunde wird Badminton in Asien als Kampfsport eingeordnet.

Oliver Jakob aber lächelt, als er eingesteht. „Ich war platt, hatte keine Kraft mehr am Ende. Das hat mein Gegner ausgenutzt und mich erbarmungslos gejagt.“ Den dritten Satz und damit das Spiel musste er mit 19:21 abgeben. Beruflich ist er viel unterwegs. „Ich kann nur einmal in der Woche trainieren“, sagt Buxtehudes Spitzenspieler. „Das reicht nicht. Mir fehlt die Kondition. Ich muss mehr machen.“ Das ist typisch für diesen so leicht und locker wirkenden Sport, der so viel Kondition, Kraft und Geschmeidigkeit verlangt und ganz viel Trainingsaufwand.

Das Buffet mit Würstchen, Salaten und mit belegten Brötchen, Kuchen und Getränken, das jeder Gastgeber bei Punktspielen bereitstellt, gehört auch dazu. So energisch die Sportler am Netz gegeneinander kämpfen, so locker und freundschaftlich ist der Umgang mit­ein­ander hinterher. Die Frauen und Männer fast aller Mannschaften kennen sich häufig seit vielen Jahren.

So haben bei der SG Buxtehude/Immenbeck neben Oliver Jakob auch Karen und Robert Neumann Erfahrungen und Routine aus ihren Bundesligazeiten eingebracht. Robert Neumann, bekannt und gefürchtet als geschickter Taktiker, hat sein Einzel gegen Hannovers Ronnie Reichstein locker mit 21:12 und 21:14 gewonnen.

Er wird trotz einer Fußverletzung danach mit zwei weiteren Siegen im Einzel und Doppel zum Gesamterfolg gegen Maschen beitragen. Ehefrau Karen Neumann sorgte im Mixed an der Seite von Markus Harnisch gegen Hannover unerwartet für Spannung. Die beiden verloren den ersten Satz mit 20:22, setzten sich dann aber klar mit 21:11 und 21:12 durch.

Es war ein erfolgreicher Sonntag für die Gastgeber. Die SG Buxtehude/Immenbeck gewann gegen Hannover 96 mit 6:2 und danach auch gegen die SG Maschen/Lüneburg mit 5:3. Der Ausgang dieser Partie verlief allerdings unglücklich für Maschen. Alexandra Schmedtje, die für Maschen das Damen-Einzel bestritt, wohnt in Buxtehude. „Und häufig trainiere ich hier auch“, erzählte die 29-Jährige, die zwei Mal in der Woche auch im Fitness-Studio anzutreffen ist. Sie und Tanja Held, Buxtehudes Spitzenspielerin, sind miteinander vertraut. Das war bei ihrem Aufeinandertreffen schon im ersten Satz zu erkennen. Nach dramatischen Ballwechseln setzte sich Tanja Held knapp mit 22:20 durch und führte im zweiten Satz knapp mit 13:11. Da verletzte sich Alexandra Schmedtje und musste aufgeben.

„So haben wir auch gegen Buxtehude verloren“, fasste Mannschaftsführer Michael Heins, der die SG Maschen/Lüneburg vor vier Jahren noch in der 2. Bundesliga betreute, den Spieltag zusammen. Gegen TV Metjendorf, aktuell Zweiter in der Tabelle, hatte er mit seinem Team 1:7 verloren. Buxtehude rückte auf den fünften Platz vor, Maschen fiel auf den achten Rang zurück. „Am Sonntag, 29. November um 10 Uhr ist die SG Maschen/Lüneburg Gastgeber des nächsten Spieltags in der Grimmehalle in Lüneburg.