Eine erfolgreiche Badmintonfamilie
23.01.2019 (Buxtehuder Tageblatt)

Eine erfolgreiche Badmintonfamilie

BUXTEHUDE. In der Badminton-Familie Neumann gibt es gleich zwei deutsche Meister. Sohn Kenneth wurde im Doppel U 15 Meister. Das Talent hat er geerbt: Vater Robert ist Titelträger der U 45 und ehemaliger Bundesligaspieler. Mutter Karen trat sogar bei Olympia an.

Oft ist es so, dass Kinder ihren Eltern nacheifern. So ist es auch im Fall der Familie Neumann. Vater Robert (51) spielt sehr erfolgreich Badminton, war in der Bundesliga aktiv und gewann bereits 1984 die deutsche Meisterschaft der U 18. Noch erfolgreicher war seine Frau Karen (47), die 1996 und 2000 sogar an den Olympischen Spielen in Atlanta und Sydney teilgenommen hat. Beide spielen heute für den Buxtehuder SV in der ersten Mannschaft in der Landesliga Nord.

So verbrachte ihr Sohn Kenneth viel Zeit in der Halle und irgendwann reizte auch ihn das Spiel. Dass die ganze Familie spielt, ist für den Buxtehuder durchaus ein Vorteil. „Da kann man sich was abgucken“, sagt Kenneth.

Seit er neun Jahre alt ist, trainiert und spielt er intensiv. „Der Erfolg ist am Anfang harte Arbeit gewesen“, sagt Kenneth. Seine ersten Schläge machte er beim BSV unter Trainerin Heike Koch. „Sein Vater hat ihn relativ schnell unter seine Fittiche genommen“, erinnert sich Koch. „Diese Erfahrung, die Robert mitbringt, hat ja sonst keiner im Verein.“ Im Training mit seinem Vater habe sich Kenneth gut entwickelt. „Ich hatte 2006 eigentlich schon aufgehört, aber für Kenneth habe ich wieder angefangen“, sagt Robert Neumann. „Aber inzwischen regelt er ja das Training und Vieles drumherum selber.“

Zwei- bis dreimal Training täglich

Heute trainiert Kenneth am Bundesstützpunkt in Hamburg und besucht die Schule Alter Teichweg. Dies ist eine Eliteschule des Sports und integriert das Training in den Schulalltag. Dafür nimmt der 14-Jährige längere Schultage in Kauf. Er geht morgens um 7 Uhr aus dem Haus und ist abends um 20 Uhr wieder zurück im Buxtehuder Elternhaus. „Ich trainiere zwei- bis dreimal am Tag“, sagt Kenneth, der parallel dazu auch noch Einheiten beim BSV absolviert. An fast jedem Wochenende stehen dann noch Spiele oder Turniere auf dem Programm. Punktspiele bestreitet er für den Horner TV.

Am Bundesstützpunkt sei Kenneth in der „Trainingsgruppe 2“ einer der stärksten Spieler. Im Training mit den gleichaltrigen gewinne er die Partien häufig. In der „Trainingsgruppe 1“ spielen die älteren Spieler. Das Training an der Sportschule trägt bereits Früchte: Im Dezember gewann er die Deutsche Meisterschaft im Doppel mit Jonathan Dresp, der wie Neumann auch beim Horner TV spielt. Im Einzel holte er zudem Bronze. Vor zwei Jahren war Kenneth noch zweimal im Viertelfinale gescheitert. „Da sieht man doch schon, dass er sich verbessert hat“, sagt sein Vater. Mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft hat er zu seinen Eltern aufgeschlossen, die mehrere nationale Titelgewinne feierten. Auch Robert Neumann wurde im vergangenen Jahr deutscher Meister in der Altersklasse U 45.

Besonders gefällt Robert Neumann, dass sein Sohnemann „Auge und Technik“ habe. Kenneth selbst sagt, dass er besonders gerne einen Drop spielt, einen anspruchsvollen Ball kurz hinter das Netz. Dafür könne er laut seines Vaters noch an Spritzigkeit und Schlagkraft zulegen.

Mischung aus Ehrgeiz und Stolz

Dennoch sind die Kräfteverhältnisse in der Familie Neumann nicht mehr so klar verteilt, wie sich das Vater Robert vielleicht wünscht. „Wer der Bessere von uns ist, steht auf der Kippe“, sagt er mit einer Mischung aus Ehrgeiz und Stolz. „Er wird ja auch älter“, sagt Kenneth und grinst schelmisch. Vor der deutschen Meisterschaft hatte sich Kenneth richtig heiß gemacht und ein Trainingsspiel gewonnen. Während die Beiden gemeinsam trainieren, werden sie wohl kein richtiges Doppel mehr zusammenspielen. Kenneth darf erst in zwei Jahren bei den Herren starten. „Vielleicht mal bei einem Spaßturnier“, mutmaßt Vater Robert.

In seiner eigenen Altersklasse wird es Kenneth bald schwerer haben, dann spielt er in der U 17. „Dann will ich gegen bessere Gegner erstmal Erfahrung sammeln“, sagt Kenneth, obwohl er sich auch schon in der Altersklasse bewiesen hat. Bei einem internationalen Turnier in Österreich hat er in der U 17 bereits Platz fünf eingefahren.

International, und ganz besonders später im Herrenbereich, sei es schwierig, vorne ranzukommen. Als Beispiel nennt Robert Neumann die Badminton-Weltrangliste, auf der Alexander Roovers vom BV Mülheim auf Platz 86 im Jahr 2018 bester Deutscher war. Dennoch ist sich Robert Neumann sicher, dass sein Sohn Kenneth noch mindestens bis zur U 19 national „ganz vorne mitspielen kann“.

Quelle: www.tageblatt.de / TAGEBLATT vom 23. Januar 2019